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Hypnose und Selbsthypnose im Kontext der Psychosozialen Onkologie

"Perspektiven, Konzepte und ein Fallbeispiel der hypnotherapeutischen Begleitung von Patienten mit einer Krebserkrankung"

Beitrag von Dr. H. Ebell in "Hypnose und Hypnotherapie" - Manual für Praxis, Fortbildung und Lehre; Modul III - Praxis



Ankündigung des Manuals zum herunterladen (PDF-Dokument)

Information unter: www.hypnosemanual.com


"Selbsthypnose zur Unterstützung der medizinischen Behandlung"

Vortrag auf der 15. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft (PSO) vom 6.-8. Oktober 2015 (Med. Hochschule Hannover)

Vortragsmanuskript zum herunterladen (PDF-Dokument) (Größe: ca.800KB)



"Entspannung und Imagination (Selbsthypnose) - Individuelle Ressourcen für Patienten mit einer Krebserkrankung"

Artikel (Seite 140 - 144) in "Psychotherapie im Dialog", Heft 2, Thieme Verlag, 2010. (Link zum Thieme Verlag)



Vollständiger Artikel als PDF-Dokument (Größe: ca.150KB)


"Hypnose bei Krebserkrankungen"

Kapitel 56 (Seite 673 - 691) im Lehrbuch "Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin -
Manual für die Praxis" von Revenstorf / Peter (Hrsg.), 2. überarbeitete Auflage, Springer Verlag, 2008.




Vollständiges Kapitel 56 als PDF-Dokument (Größe: ca.870KB)


"Hypnose und Psychoneuroimmunologie in der Psychoonkologie -
Magisches Denken im Mantel wissenschaftlicher Erkenntnisse"

Auf Grundlage des Vortragstexts: "Psychoneuroimmunologie: Zum Stellenwert der Hypnotherapie in einem Gesamt-Therapiekonzept", gehalten im Rahmen des Symposiums "Hypnose und Krebs" auf der 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hypnose in Bad Lippspringe am 17.11.94, zu der auch Carl Simonton eingeladen war. (Veröffentlicht in Experimentelle und Klinische Hypnose 12 (2), 91-105, 1996.)

Eine verantwortungsvolle, hypnotherapeutische Arbeit mit den Kräften der Hoffnung ist sicher hilfreich. Dies sollte aber nicht verwechselt werden mit dem ausgesprochenen oder unausgesprochenen Versprechen einer Wunderheilung. "Wunder" sind definitionsgemäß extrem selten - aber auch bei einer Krebserkrankung gibt es sie. Auch wenn wir meinen, sie erklären zu können (z.B. "psychoneuroimmunologisch"), so bleiben es Geschehnisse, die wir - sollten wir sie erleben dürfen - als Beteiligte ehrfürchtig zur Kenntnis nehmen sollten. Wir können sie aber nicht, mit welcher Therapie auch immer und ganz sicher auch nicht mit Hypnose, "erarbeiten".

Erkenntnisse der "Psychoneuroimmunologie" werden heute meist dazu herangezogen, um "Spontan"-Remissionen bei Krebserkrankungen zu erklären, d.h. Verläufe, die in keinem erkennbaren, kausalen Zusammenhang mit therapeutischen Maßnahmen zu stehen scheinen. Der Anteil immunologischer Faktoren bei solchen erstaunlichen Verläufen ist jedoch oft nicht nur unbekannt, sondern bei einigen Krebserkrankungen auch sehr unwahrscheinlich, da bei diesen (bekannte) immunologische Vorgänge keine Veränderungen aufweisen.
Die metaphorische Verwendung möglicher psychoneuroimmunologischer Zusammenhänge für Visualisierungsübungen (auch in der Hypnotherapie) ist Bestandteil vieler zeitgenössischer, psychosozialer Unterstützungsangebote für Krebspatienten (z.B. auch im Counselling-Programm von Carl Simonton). Selbst unter der Voraussetzung einer nachgewiesenen klinischen Wirksamkeit solcher Analog-Vorstellungen (wie z.B. bei den Bemühungen, Schmerzen oder Übelkeit unter Kontrolle zu bringen) wären solche Zusammenhänge fürs erste nur statistisch korreliert, aber noch kein Beweis für eine unmittelbare Umsetzung solcher Imaginationen in ein physiologisches Geschehen. Versprechungen, durch Übungen dieser Art Krebserkrankungen heilen zu können, verlassen das Feld selbstkritischer Überlegungen und auch notwendiger Spekulationen zu diesem Thema: Sie sind unseriös.

Praktisch therapeutisch ist jedoch ein anderer Gesichtspunkt sehr wichtig: Solange es "funktioniert", scheint diese Spielart des sehr vereinfachenden, "positiven Denkens" auch eine Unterstützung zu sein. Die fatale Kehrseite dieses reduktionistischen Suggestionskonzepts taucht aber spätestens dann auf, wenn ein Patient nicht (mehr) damit zurecht kommt oder annimmt, etwas falsch zu machen. Im Extremfall fühlt er sich dann sogar dafür schuldig, dass er die Krebserkrankung "nicht in den Griff bekommen hat" oder das Rezidiv nicht verhindern konnte.
Doch damit nicht genug! Wenn Patienten das Prinzip einer direkten Transmission "positiver" Gedanken durch Fremd- oder Autosuggestion durch entsprechende Unterweisungen von ihren Therapeuten oder durch eigene Schlussfolgerungen übernommen haben, können sie vollends erpresst werden durch die Phantasie, dass auch ihre "negativen" Gedanken zu Leiden und Tod, die von ihrer Verzweiflung geprägt sind, sie - über den gleichen Transmissionsriemen sozusagen! - immer tiefer in die Katastrophe hineinschicken.

Selbst wenn wir als Therapeuten glauben, dass solche Zusammenhänge in nennenswertem Maß am Verlauf einer Krebserkrankung beteiligt sein könnten, ist es unsere Aufgabe und Pflicht, Patienten aus dieser furchtbaren seelischen Zwickmühle hinauszubegleiten.

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"Selbsthypnose als ergänzendes Therapieangebot für Patienten
mit starken Schmerzen auf Grund einer Krebserkrankung"

Ausführliche Darstellung meiner klinischen Forschungsarbeit - gefördert durch die Deutsche Krebshilfe / Mildred Scheel Stiftung - an der interdisziplinären Schmerzambulanz (Dr. Antje Beyer, Prof. Dr. K. Peter) im Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München von 1988-91.

Hintergrund: Für die Behandlung starker Schmerzen auf Grund einer Krebserkrankung ist nicht nur eine exakte Diagnostik objektivierbarer Ursachen (z.B. Tumorwachstum) erforderlich, sondern man muss auch das subjektive Erleben bzw. Leiden der Patienten (Ängste, Erschöpfung usw.) berücksichtigen. Auf der Basis einer medikamentösen Therapie nach WHO-Richtlinien können Hypnose und Selbsthypnose die Schmerzkontrolle durch Förderung individueller Copingfähigkeiten optimieren.

Methoden: 1988-91 wurde in der interdisziplinären Schmerzambulanz im Universitätsklinikum Großhadern (München) allen Patienten mit einer Krebserkrankung angeboten, Selbsthypnose zu erlernen; dazu diente eine auf Tonband gesprochene Anleitung des Verfassers. Schmerztagebuchdaten und Tests wurden über 10 konsekutive Wochen erhoben. Nach einer Dosisfindungsphase von 2 Wochen für die medikamentöse Schmerztherapie wurden die Patienten randomisiert einer von zwei Behandlungsabfolgen (AB oder BA) zugeteilt: 4 Wochen Behandlung A (Selbsthypnose zusätzlich zur medikamentösen Therapie) und 4 Wochen Behandlung B (medikamentöse Therapie alleine). Zur gruppenstatistischen Auswertung wurde ein 2-Perioden-Crossover-Design mit zwei Behandlungsarmen verwendet. Zur Ermittlung der Interdependenz der Tagebuchangaben bzw. zur Identifikation von individuellen Copingstrategien wurden uni- und multivariate ARIMA-Zeitreihenanalysen durchgeführt. Als Suggestibilitätstest wurde die klinische Stanfordskala für Erwachsene (SHCS/A) eingesetzt.

Ergebnisse: Von 342 Patienten (Erhebungszeitraum: 15 Monate) waren 102 an Selbsthypnose interessiert; davon unterzeichneten 61 "informed consent"; von diesen erfüllten - trotz Progression der Krebserkrankung bzw. Belastungen durch die Therapie - 32 Patienten alle Studienkriterien. Das Ergebnis des Crossover zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen Behandlung A und B. Bei Einbeziehung der Ausgangswerte aus der Vorperiode (exploratorische Daten-analyse im Paralleldesign, Mann-Whitney-Rangsummentest) wurden in den beiden Haupt-zielkriterien "Schmerzintensität" und "Leiden" signifikante Unterschiede zu Gunsten der Behandlungsphase mit Selbsthypnose gefunden.

Schlussfolgerung: Selbsthypnose verbessert die Schmerzkontrolle von Patienten mit einer Krebserkrankung über die Effekte einer wirksamen medikamentösen Schmerztherapie hinaus bzw. fördert das individuelle Coping. Summenstatistische Berechnungen und individueller Krankheitsverlauf, Forschungsmethodik und therapeutische Beziehung beinhalten sehr unterschiedliche Perspektiven auf das gleiche Geschehen. Es bedarf intensiver Kommunikation und gegenseitiger Abstimmung von Forschungsmethodikern und Klinikern, um die Wirksamkeit von Selbsthypnose kontrolliert prospektiv zu untersuchen, ohne die notwendige therapeutische Beziehung zu belasten oder gar zu gefährden.


Inhaltsverzeichnis:

- Einleitung und Fragestellung
- Patienten und Methoden
- Ergebnisse
- Diskussion
- Zum Spannungsfeld von Forschungsmethodik und therapeutischer Beziehung
- Selbsthypnose als individuelle Ressource
- Text der Selbsthypnoseanleitung der Studie (Tonband)
- Literaturverzeichnis
- English abstract


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